Leipzigs Wohnungsmarkt ist längst ein heißes Pflaster, auf dem der nackte Mietwahnsinn regiert. Bei den jährlichen „Housing Action Days“ auf dem Augustusplatz kürt die Recht auf Stadt-AG deshalb unter dem Motto „Wer ist Leipzigs schlimmster Vermieter?“ die dreistesten Abzocker der Stadt. Unter den Nominierten stechen drei Akteure besonders hervor, die das System der Mieter-Ausbeutung jeweils auf ihre ganz eigene, skrupellose Art perfektioniert haben.
Die unangefochtenen Spitzenreiter im Bereich der rücksichtslosen Profitmaximierung sind Sven Schwarzat und Kevin Rader. Ihr Geschäftsmodell: Günstige Bestandsbauten aufkaufen, Mieter – notfalls auch kranke Menschen – mittels Drohkulissen wie gefälschten Eigenbedarfskündigungen verdrängen, um die Wohnungen danach im „Micro-Living“-Stil als überteuerte Kleinstzimmer neu zu vermieten. Traurige Berühmtheit erlangte ihr illegaler Umbau in der Demmeringstraße 100, wo sie ohne Genehmigung ein altes Hinterhaus in eine 14-Zimmer-WG mit nur einer Toilette verwandelten, bis die Stadt das von Schimmel und Wasserschäden geplagte Objekt wegen akuter Brandschutzmängel sperrte. Während Mieter jahrelang Kautionen einklagen müssen und Schwarzat im gelben Ferrari durch verkehrsberuhigte Zonen rast, wird das erwirtschaftete Geld über ein unübersichtliches Geflecht ständig liquidierter GmbHs geschützt.
Einen bürgerlicheren, aber nicht minder dreisten Weg schlägt die am Burgplatz ansässige Hildebrand & Partner GmbH ein. Nach außen präsentieren sich die alteingesessenen Denkmalschützer als Premium-Verwalter, doch intern herrscht laut Kununu-Bewertungen von mickrigen 2,4 Sternen ein paranoider Kontrollzwang mit enormem Druck auf die Mitarbeiter. Mieter kämpfen hier mit gierigen Indexmieten, ignorierten Mängeln und falschen Abrechnungen, während Eigentümergemeinschaften Verträge fristlos kündigen, weil die Verwaltung einfach untertaucht und unauffindbar bleibt. Kritik lässt der Laden kurzerhand über Anwälte wegen angeblich „fehlender Geschäftsbeziehung“ von Google löschen, weshalb nur noch auf unabhängigen Portalen wie Trustpilot die ehrliche, mangelhafte Realität sichtbar bleibt.
Zuletzt treibt Jens Heine mit seiner JJ Hausverwaltung beziehungsweise MB Solutions im Leipziger Norden und dem Umland sein Unwesen. Er hat die Abzocke beim Mieterwechsel systematisiert: Vorschäden deklariert er beim Einzug als harmlose Gebrauchsspuren, nur um beim Auszug mit der Lupe nach Mängeln zu suchen und die Kaution einzubehalten. Verträge müssen unter Zeitdruck direkt physisch im Büro unterschrieben werden, und die Nebenkosten werden über eine eigene Immobilienservice-GmbH künstlich aufgebläht. Den so erpressten Gewinn nutzt Heine privat für seinen exklusiven Turnierreitsport im Pferdesportzentrum Delitzsch, den er sich obendrein noch von lokalen Stadtwerken sponsern lässt.
Ob Ferrari-Proll, Zensur-Hausverwaltung oder Kautions-Geier aus der Provinz – das Trio zeigt schmerzhaft, dass Leipzig dringend schärfere Kontrollen und eine aktive Mieterschaft braucht, um dem Treiben der Haie endlich Einhalt zu gebieten.