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	<title>Mathias Eberlein</title>
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		<title>Wenn wir gewinnen, bin ich Deutscher</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2026 20:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Gleich zwei Beiträge in Folge mit Fußballbezug. Wer fürchtet, aus dem Polit-Blogger werde ein Fußball-Blogger: keine Sorge. Es bleibt Politik. Nur hat der Fußball in diesen Tagen eine politische Dimension, die sich nicht mehr vom Spiel trennen lässt. Klopps Heimdebüt gegen Griechenland ging 0:1 verloren. Der Plan, breit zu casten und dabei schnell erfolgreich zu sein, hat einen Dämpfer bekommen. Im Nachgang ging es trotzdem nicht um Gegenpressing oder die Viererkette. Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré stellte ein Foto der [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Gleich zwei Beiträge in Folge mit Fußballbezug. Wer fürchtet, aus dem Polit-Blogger werde ein Fußball-Blogger: keine Sorge. Es bleibt Politik. Nur hat der Fußball in diesen Tagen eine politische Dimension, die sich nicht mehr vom Spiel trennen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klopps Heimdebüt gegen Griechenland ging 0:1 verloren. Der Plan, breit zu casten und dabei schnell erfolgreich zu sein, hat einen Dämpfer bekommen. Im Nachgang ging es trotzdem nicht um Gegenpressing oder die Viererkette. Die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré stellte ein Foto der Mannschaft ins Netz und erklärte, wer sich davon irritieren lasse, sei ein Fall für den Verfassungsschutz. Kotré steht dabei nur stellvertretend für eine Reihe von Vorfeldakteuren am rechten Rand. Die Message ist trotzdem klar. Das ist kein Fußballstreit. Das ist Rassismus.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Wenn dich dieses Foto von der deutschen Nationalmannschaft irritiert, bist du ein Fall für den Verfassungsschutz. <a href="https://t.co/KvGYC4ooMD">pic.twitter.com/KvGYC4ooMD</a></p>&mdash; Lena Kotré (@KotreLena) <a href="https://x.com/KotreLena/status/2104583452641419757?ref_src=twsrc%5Etfw">September 28, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br><br>Klopp hatte bei der Kaderpräsentation gesagt, er wolle die Fahne zurückholen. Nicht als Feldzeichen, als Alltagsgegenstand. Wer sie schwingt, soll nicht den Eindruck haben, mit ihm stimme etwas nicht, sondern sich freuen, er habe Glück gehabt, hier geboren, aufgewachsen oder zugezogen zu sein. Den Stolz nicht den falschen Leuten überlassen. Damit eckt er an beiden politischen Rändern an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am linken Rand gilt die Fahne schon länger als verpönt. Im WM-Sommer 2006, als Schwarz-Rot-Gold zum ersten Mal seit Jahrzehnten massenhaft im Straßenbild hing, rief die sächsische PDS-Abgeordnete Julia Bonk zur Umtauschaktion auf. Drei Fahnen abgeben, ein Parteishirt mitnehmen. Die Flaggen stünden für eine Zusammengehörigkeit, die auf Ausgrenzung beruhe. Die Logik: Wer die Fahne zeigte, musste sich erklären. Genau diese Erklärpflicht meint Klopp, wenn er sagt, niemand solle beim Schwingen schief angeschaut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am rechten Rand nährt die Diskussion um Nationalspieler mit Migrationsgeschichte seit jeher die Verschwörungstheorie vom Bevölkerungsaustausch. Schon 2016 ließ Alexander Gauland fallen, die Leute fänden Jérôme Boateng als Fußballer gut, wollten „einen Boateng“ aber nicht als Nachbarn. Boateng stand 2014 in Rio in der Abwehr, als Deutschland Weltmeister wurde. Den Titel hat die Zusammensetzung nicht gestört. Gauland beschrieb schon damals kein sportliches Defizit, sondern eine Zumutbarkeitsgrenze. Zwei Jahre später sprach Özil sie bei seinem Rücktritt selbst aus: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir gewinnen, bin ich Deutscher, wenn wir verlieren, bin ich Migrant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212; Mesut Özil</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Nun hat Deutschland verloren, und Kotré, seit 2025 vom Verfassungsschutz als Rechtsextremistin geführt, reduziert die Niederlage auf Hautfarben. Nicht der Stolz fehlt. Nicht die Inbrunst bei der Hymne. Nicht die Taktik war falsch, nicht die Auswechslung zu spät. Beanstandet wird der Kader, weil er die falschen Gesichter zeige. Rassismus wird wieder salonfähig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All das kommt nach den drei Wahlen, bei denen die AfD zulegen konnte, in Sachsen-Anhalt sogar an der Macht schnuppert. In einer Zeit, wo Martin Sellner in Magdeburg das Institut für Remigration initiiert. Ein solcher Post ist in diesem Klima kein Ausrutscher. Er ist Beleg. Auch für ein mögliches Verbotsverfahren.</p>
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		<title>Nach links – Nach rechts – Döpp Döpp Döpp</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 20:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnen]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Leipziger kann ich mich noch wunderbar an die Fußball-Europameisterschaft erinnern: Schotten, die unsere städtischen Bierreserven im Handumdrehen zum Erliegen brachten; Kroaten, die mit Pyro und einer riesigen Flagge auf dem Marktplatz feierten; Niederländer, die in ihren ikonischen orangenen Outfits zu Techno-Schlager tanzten und überall beste Laune verbreiteten. Damals lief der Partyhit von Snollebollekes in Dauerschleife: „Links, rechts – van links naar rechts!“ Auf Kommando springt die Menge wie ferngesteuert von einer Seite auf die andere, hin und her, bis [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Als Leipziger kann ich mich noch wunderbar an die Fußball-Europameisterschaft erinnern: Schotten, die unsere städtischen Bierreserven im Handumdrehen zum Erliegen brachten; Kroaten, die mit Pyro und einer riesigen Flagge auf dem Marktplatz feierten; Niederländer, die in ihren ikonischen orangenen Outfits zu Techno-Schlager tanzten und überall beste Laune verbreiteten. Damals lief der Partyhit von Snollebollekes in Dauerschleife: <em>„Links, rechts – van links naar rechts!“</em> Auf Kommando springt die Menge wie ferngesteuert von einer Seite auf die andere, hin und her, bis niemand mehr weiß, wo oben und unten ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://www.tkdmatze.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-23-at-09.51.32.jpeg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="934" src="https://www.tkdmatze.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-23-at-09.51.32-1024x934.jpeg" alt="" class="wp-image-688" style="aspect-ratio:1.0963751546275817;width:519px;height:auto" srcset="https://www.tkdmatze.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-23-at-09.51.32-1024x934.jpeg 1024w, https://www.tkdmatze.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-23-at-09.51.32-300x273.jpeg 300w, https://www.tkdmatze.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-23-at-09.51.32-768x700.jpeg 768w, https://www.tkdmatze.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-23-at-09.51.32-1536x1401.jpeg 1536w, https://www.tkdmatze.de/wp-content/uploads/2026/09/WhatsApp-Image-2026-09-23-at-09.51.32.jpeg 1600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wer nach den Wahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf die Ergebnisse blickt, wird das Gefühl nicht los, dass die Republik genau diesen holländischen Partytanz zur neuen Staatsräson erhoben hat. Nach links, nach rechts, vor, zurück – ein taumelndes Parteiensystem im permanenten Schlingerkurs, bei dem die politische Statik im Takt der Bässe erodiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Mecklenburg-Vorpommern lässt das Votum rechnerisch praktisch nur noch eine einzige Koalition zu<sup></sup>. Durch das Scheitern von BSW und CDU an der Sperrklausel gibt es eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün gegen eine AfD, die als einzige Kraft auf der Oppositionsbank Platz nimmt. Nach links – Döpp Döpp Döpp.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Sachsen-Anhalt hingegen führt das unauflösbare 39:39-Patt weiterhin zu absolut gar nichts: Das Land verharrt im Stillstand, während fünf BSW-Abgeordnete das Schicksal der Landespolitik in den Händen halten<sup></sup>. Nach rechts – Döpp Döpp Döpp.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Choreografie des Absurden wird jedoch an der Spree aufgeführt. In Berlin geht es um Rot-Grün plus X: Entweder wagt man das Regierungsbündnis mit der erstarkten Linkspartei – oder man schluckt die Kröte und holt eine gerupfte CDU ins Boot. Und kaum liegt diese rechnerische Realität auf dem Tisch, setzt der vertraute Scharfmacher-Chor der Union ein. Mit ernster Miene und pädagogischem Zeigefinger wird vor dem Sündenfall gewarnt: Die Linke sei regierungsunfähig, verharre in Vergesellschaftungsfantasien und trage den extremistischen Makel des Antisemitismus vor sich her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gewiss: Wer auf die antizionistischen Töne und die Trümmer-Rhetorik mancher Berliner Aktivisten blickt, findet reichlich Anlass für fundierte Kritik. Auch die Sache mit den Enteignungen ist in der Praxis alles andere als ein Selbstläufer. Doch mit welcher Selbstgerechtigkeit ausgerechnet die Union derzeit als moralischer Sittenwächter auftritt, spottet jeder Beschreibung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da wäre zunächst Markus Söder, der Wurstfluencer und Teilzeit-Ministerpräsident. Wenn es um seine eigenen Interessen geht, hieß es stets, der Länderfinanzausgleich dürfe niemals als politischer Hebel genutzt werden, um einzelne Länder abzustrafen. Doch kaum droht in Berlin eine rot-grün-rote Konstellation, schlägt der CSU-Chef denselben Ausgleich kurzerhand als Strafinstrument vor. Ungeniert bringt Söder ins Spiel, den Geldhahn empfindlich zuzudrehen, um Berlin vorab finanziell an die Kandare zu nehmen – und schiebt als Begründung den Antisemitismus vor. Darf ich daran erinnern, wie geräuschlos Markus Söder in München an Hubert Aiwanger festhielt, als die Affäre um ein antisemitisches Flugblatt in den Medien aufploppte? Da zählte keine rote Linie, keine Brandmauer – da zählte einzig die eigene Regierungsmehrheit, Hauptsache ohne die Grünen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Konservative der Linkspartei die moralische Eignung für Regierungsämter absprechen, lohnt ebenso der Blick nach Schwerin: Dort sitzt seit Kurzem Philipp Amthor als Landesvorsitzender am Ruder. Ausgerechnet jener Abgeordnete, der einst für das US-Start-up Augustus Intelligence mit Bundestags-Briefkopf klinkenputzen ging, exklusive Reisen genoss und Aktienoptionen einstrich. Im Unions-Kosmos schrumpft ein handfester Lobby-Skandal offenbar im Handumdrehen zur verzeihlichen Jugendsünde. Oder Jens Spahn: Trotz der milliardenschweren Altlasten aus den chaotischen Maskendeals der Pandemiezeit, die den Steuerzahler bis heute in juristischen Schlammschlachten teuer zu stehen kommen, wacht Spahn neuerdings ungerührt im Haushaltsausschuss über die Bundesfinanzen. Wer Milliarden verbrannt hat, doziert nun über fiskalische Zucht und Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So gerät der Koalitionspoker um Berlin zur Farce: Die Union kämpft an der Spree nicht um hehre Prinzipien, sondern gegen den eigenen Bedeutungsverlust. Moral ist bei ihr eine hochelastische Währung. Frei nach der Fußballbinse „Vorne hui, hinten pfui“ besteht der moralische Kompass beim Rumpeln nach den Wahlen aus einer simplen Formel:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Nach links feste drauf, nach rechts nicht so doll, nach innen geht es gar nicht.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>links WAR vorbei</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 23:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Rente]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn im Kanzleramt nach einem doppelten Wahlsonntag das Licht ausgeht, dürfte Friedrich Merz ein Satz ganz besonders in den Ohren dröhnen. Im Februar 2025 rief er den Delegierten und dem Land siegesgewiss zu: Links ist vorbei. Es gibt keine linke Politik und keine linke Mehrheit mehr in Deutschland. Das sollte damals die Grabrede auf die progressive Ära sein, das Versprechen eines bürgerlichen Durchmarsches und das Fundament seiner Kanzlerschaft. Denn mit Merz verband sich die gewaltige Erwartung, ausgerechnet er werde mit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wenn im Kanzleramt nach einem doppelten Wahlsonntag das Licht ausgeht, dürfte Friedrich Merz ein Satz ganz besonders in den Ohren dröhnen. Im Februar 2025 rief er den Delegierten und dem Land siegesgewiss zu:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Links ist vorbei. Es gibt keine linke Politik und keine linke Mehrheit mehr in Deutschland.</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Das sollte damals die Grabrede auf die progressive Ära sein, das Versprechen eines bürgerlichen Durchmarsches und das Fundament seiner Kanzlerschaft. Denn mit Merz verband sich die gewaltige Erwartung, ausgerechnet er werde mit markigen Worten, ordnungspolitischer Schärfe und harter Kante die Wahlerfolge der AfD wieder eindämmen und abgewanderte Protestwähler scharenweise zurückholen. Doch nach Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wirkt dieser Anspruch wie ein weiteres Versprechen, dass Merz nicht einzulösen vermochte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei fällt ihm der gezielte Gegenentwurf zu seiner Vorgängerin Angela Merkel immer wieder auf die Füße. Sechzehn Jahre lang hatte Angela Merkel das Kanzleramt verteidigt – nicht durch ideologische Frontalangriffe, sondern durch die lautlose Übernahme gegnerischer Themen. Ob Atomausstieg, Aussetzen der Wehrpflicht oder Mindestlohn: Merkel saugte grüne und sozialdemokratische Punkte systematisch auf und band die politische Mitte fest an die Union. Friedrich Merz trat an, genau mit dieser Methode radikal zu brechen. Er wollte keine verwässerte Moderation, sondern das klare bürgerliche Profil: CDU pur. Mit scharfen Trennungsstrich nach links. Doch statt das eigene Lager zu stärken, hat diese Richtungsänderung die politische Statik zertrümmert: Wer den Ausgleich in der Mitte verweigert, treibt die Wähler nicht zurück zur Union, sondern spaltet die Ränder erst recht auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Bundestagswahl 2025 schien die Rechnung vordergründig aufzugehen: Die SPD stürzte auf ein historisches Tief ab, die Grünen schrumpften, nur Die Linke hatte nach dem Reichinek-Moment eine Tendenz nach oben. Der damalige Trend gab Merz recht. Schaut man jedoch auf die aktuellen Beliebtheitswerte und die gestrigen Ergebnisse zeichnet ein völlig anderes Bild. Die Kanzlerpartei befindet sich im Bund wie in den Ländern im freien Fall, während linke Kräfte plötzlich wieder die Dynamik diktieren. In Berlin katapultierte sich Die Linke um Elif Eralp auf Platz eins, während die Sozialdemokraten an der Spree wieder mitmischen und an der Ostseeküste Manuela Schwesig das Duell „Die Frau gegen Blau“ mit bemerkenswerter Wucht für sich entschied. Von einem Verschwinden linker Optionen kann keine Rede sein – das progressive Lager ist zurückgekehrt, weil die amtierende Bundesregierung den Bürgern eine beispiellose soziale Leerstelle hinterlassen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus linker Sicht liest sich die Leistungsbilanz des Kabinetts Merz wie ein Katalog verweigerter Realität.<br>Man soll mehr und länger arbeiten, mit weniger Arbeitsnehmerschutz und Krankenkassenleistungen. An den Kranken und an den Eltern soll gespart werden. Dafür bekommen die Arbeitenden eine Steuerreform, die nicht mal die kalte Progression ausgleicht. All das, weil man meint, dass zu wenig Geld da wäre, während es sich bei den obersten Prozenten der Gesellschaft ungebremst vermehrt. Das Land braucht Reformen, aber es wird sie nur dann tragen, wenn die Lasten einigermaßen gerecht verteilt werden. An dieser einfachen Formel scheitert Merz komplett. Wer in einer Situation, in der immer mehr Menschen Probleme haben, die Lebenserhaltungskosten zu stemmen nur von oben herab kommuniziert, hat ein Problem. Das sehen alle, außer er selbst, wie er es zuletzt äußerte.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Hat <a href="https://x.com/hashtag/Merz?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Merz</a> nicht gesagt, oder? <a href="https://t.co/B56Ua8vMGg">pic.twitter.com/B56Ua8vMGg</a></p>&mdash; Mathias Eberlein (@tkdmatze) <a href="https://x.com/tkdmatze/status/2097320876068708378?ref_src=twsrc%5Etfw">September 8, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite Aufgabe, die der Wähler Merz mitgab, war es die AfD einzudämmen. Merz hat die AfD mit seinem Kurs nicht eingedämmt, sondern erst recht großgefüttert. Indem er versuchte, den Rechtsaußen-Rand mit immer schärferen Tönen zu überholen, lieferte er der AfD lediglich die Bestätigung für deren eigene Agenda. Die Wähler entschieden sich im Zweifelsfall für das radikale Original statt für die getriebene Kopie. Statt die Ränder zu halbieren, erodierte das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der bürgerlichen Mitte vollends.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wie reagierte der Kanzler auf dieses Desaster? Wer am Wahlabend auf einen Funken Selbstreflexion hoffte, erlebte die reine Kunstform der Realitätsverweigerung. Merz trat vor die Kameras, straffte die Schultern und propagierte mit stoischer Miene ein unverändertes Weiter-so. Kein Innehalten, kein Nachjustieren – stattdessen die gewohnte Attitüde, das eigene Rezept sei alternativlos und müsse den Bürgern lediglich noch energischer eingebläut werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gestrigen Wahlen markieren daher das Scheitern einer doppelten Illusion. Die erste und schmerzhafteste Lehre für die Union lautet, dass man gesellschaftliche Verteilungsfragen nicht für beendet erklären kann, ohne sie zu lösen. Daran schließt sich die zweite Lehre an: Wer glaubt, das Merkel-Erbe der bindenden Mitte durch reines Dagegenhalten ersetzen und die AfD durch das Kopieren ihrer Narrative schrumpfen zu können, treibt den Protest nur weiter an und ruft gleichzeitig jene Wähler wieder auf den Plan, die eine soziale Antwort auf die Krise verlangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Wähler gingen gestern zur Wahl. Links WAR vorbei.</p>
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		<title>Rote Pille, blaue Pille &#8211; Wahlen in MV</title>
		<link>https://www.tkdmatze.de/2026/09/18/rote-pille-blaue-pille-wahlen-in-mv/</link>
					<comments>https://www.tkdmatze.de/2026/09/18/rote-pille-blaue-pille-wahlen-in-mv/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 07:15:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Erinnert ihr euch an den Kultstreifen Matrix? In einer Schlüsselszene hält Morpheus Neo zwei Pillen hin. Nimmt er die blaue, schläfst er weiter in seiner gemütlichen Scheinwelt. Schluckt er die rote, siehst er die nackte, harte Wahrheit. Im Wahlkampfendspurt in Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig diese Szene fast eins zu eins kopiert, nur eben mit vertauschten Vorzeichen. Ihr Appell an die Wähler lautet im Grunde: Entweder ihr schluckt Rot, oder ihr wacht im blauen Albtraum auf.    Unter der Ansage „Die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Erinnert ihr euch an den Kultstreifen Matrix? In einer Schlüsselszene hält Morpheus Neo zwei Pillen hin. Nimmt er die blaue, schläfst er weiter in seiner gemütlichen Scheinwelt. Schluckt er die rote, siehst er die nackte, harte Wahrheit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Wahlkampfendspurt in Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig diese Szene fast eins zu eins kopiert, nur eben mit vertauschten Vorzeichen. Ihr Appell an die Wähler lautet im Grunde: Entweder ihr schluckt Rot, oder ihr wacht im blauen Albtraum auf.   </p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Ich bitte um die Stimmen von allen, die verhindern wollen, dass die AfD die Macht übernimmt. Ich bin eure Frau gegen Blau! <a href="https://t.co/8TMQrlsGic">pic.twitter.com/8TMQrlsGic</a></p>&mdash; Manuela Schwesig (@ManuelaSchwesig) <a href="https://x.com/ManuelaSchwesig/status/2096950853437387173?ref_src=twsrc%5Etfw">September 7, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der Ansage „Die Frau gegen Blau“ hat die SPD den gesamten Wahlkampf auf ein knallhartes Duell zwischen Schwesig und AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm zugespitzt. Nach dem Beben in Sachsen-Anhalt, wo die AfD mit fast 44 Prozent durchs Ziel ging, wurde man wohl sehr nervös. Schwesigs Taktik ist simpel wie radikal: Wer die AfD stoppen will, darf gar nicht erst über Inhalte oder Alternativen nachdenken, sondern muss schlicht die Ministerpräsidentin retten. Plötzlich gab es im politischen Diskurs nur noch Gut gegen Böse, Rot gegen Blau – und dazwischen gähnende Leere.   </p>



<p class="wp-block-paragraph">Rein machtpolitisch ist dieser Schachzug voll aufgegangen<sup></sup>. Noch vor einem Jahr dümpelten die Genossen im Nordosten bei desolaten 19 Prozent herum, gelähmt vom Berliner Dauerfrust<sup></sup>. Die AfD thronte monatelang scheinbar unantastbar bei weit über 35 Prozent<sup></sup>. Doch Schwesig hat ihren enormen Amtsbonus voll in die Waagschale geworfen<sup></sup>. Bei der Frage, wer das Land eigentlich führen soll, wischen ihre 61 Prozent Holms magere 30 Prozent locker vom Tisch<sup></sup>. Kurz vor dem Wahlsonntag hat das ZDF-Politbarometer Extra das Rennen endgültig gedreht: Die SPD kletterte auf 37 Prozent und schob sich haarscharf an der AfD mit ihren 36 Prozent vorbei<sup></sup>. Ein beachtliches Comeback, keine Frage – aber der Preis dafür ist verdammt hoch<sup></sup>.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Diese Wahl wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Jede Stimme zählt! Ich will Ministerpräsidentin bleiben: für starke Wirtschaft, sichere Arbeitsplätze, gute Kitas, moderne Schulen, Unterstützung im Alter &amp; Zusammenhalt. Setzen wir ein Zeichen für unser Land! <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2764.png" alt="❤" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> <a href="https://t.co/Qg1gVplX6X">pic.twitter.com/Qg1gVplX6X</a></p>&mdash; Manuela Schwesig (@ManuelaSchwesig) <a href="https://x.com/ManuelaSchwesig/status/2100678050530705616?ref_src=twsrc%5Etfw">September 17, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
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<p class="wp-block-paragraph">Denn dieses künstlich zugespitzte Duell hat die politische Konkurrenz buchstäblich an die Wand gequetscht. Allen voran die CDU unter Daniel Peters erlebt gerade ein absolutes Desaster. Die Union versuchte es mit Wohlfühl-PR, Slogans wie „Die Mitte ist das Beste“ und Fotos von Fischbrötchen. In einem Kulturkampf nimmt das bloß niemand ernst. Gleichzeitig zieht der Gegenwind aus Berlin der Landespartei komplett den Boden unter den Füßen weg. Wenn im Bund unter Friedrich Merz über Rentenkürzungen und Einschnitte bei der Pflege debattiert wird, kochen im Osten die Emotionen hoch. Schwesig schlüpfte gekonnt in die Rolle der Kümmerin und haute verbal auf Berlin ein, während die Landes-CDU loyal schwieg. Das Ergebnis in den Umfragen ist ein Trauerspiel: Die Christdemokraten stürzen auf mickrige 6 bis 7 Prozent ab – das schlechteste Ergebnis einer Landes-CDU in der Geschichte der Bundesrepublik. Wer konservativ wählt, ging direkt zur AfD, und wer pragmatisch dachte, lieh seine Stimme lieber gleich Schwesig.   </p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Die <a href="https://x.com/hashtag/Mitte?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Mitte</a> ist das Beste. Beim Fischbrötchen und bei der Wahl!  Kampagenpräsentation in Sxhwerin <a href="https://x.com/hashtag/LTWMV26?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#LTWMV26</a> <a href="https://t.co/fBZ8lA7ylU">pic.twitter.com/fBZ8lA7ylU</a></p>&mdash; Daniel Peters (@danielpetersMV) <a href="https://x.com/danielpetersMV/status/2080250214636564544?ref_src=twsrc%5Etfw">July 23, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
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<p class="wp-block-paragraph">Nicht viel besser sieht es bei den Grünen aus. Spitzenkandidatin Claudia Müller muss zusehen, wie ihre Partei bei exakt 5,0 Prozent zittert. Die SPD hat den Grünen ganz unverfroren die Butter vom Brot genommen, indem Schwesig direkt an das grüne Klientel appellierte, die Stimmen nicht an kleine Parteien zu „verschwenden“, sondern die SPD gegen Blau stark zu machen. Da die Verhinderung der Rechten im grünen Milieu über allem steht, zog dieser Hebel gnadenlos. Dass der eigene Laden wenige Wochen vor der Wahl durch den Rücktritt von Fraktionschefin Constanze Oehlrich nach Belästigungsvorwürfen ins Chaos stürzte, half natürlich auch nicht weiter. Für originäre Umweltthemen interessierte sich im Trommelfeuer der beiden Großparteien schlicht niemand mehr.   </p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwesigs Taktik mag ihr das eigene Überleben in der Staatskanzlei sichern, hinterlässt aber eine Trümmerlandschaft<sup></sup>. Neben dem Absturz der CDU und dem Zitterspiel der Grünen bleibt auch das BSW bei 3 bis 4 Prozent hängen, und die FDP ist ohnehin komplett in der Versenkung verschwunden<sup></sup>. Selbst SPD-Koalitionspartner Die Linke, der bei rund 9 Prozent verharrt, schimpfte völlig zu Recht über einen inszenierten Scheinzweikampf<sup></sup>.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende droht Mecklenburg-Vorpommern ein handfestes Regierungsdilemma. Fliegen die Grünen raus, hat Rot-Rot keine eigene Mehrheit mehr. Ein Bündnis mit der völlig zerlegten CDU scheitert an deren eisernen Beschlüssen gegen die Linke. Gleichzeitig sitzt die AfD mit mehr als einem Drittel der Sitze im Landtag und blockiert künftig Verfassungsrichter oder Grundgesetzänderungen nach Belieben. Die Entscheidung zwischen Rot und Blau mag kurzfristig den großen Schock verhindert haben. Doch wer die politische Mitte kannibalisiert, um die Macht zu behalten, wacht am Tag nach der Wahl mit einem Parlament auf, das sich kaum noch regieren lässt.   </p>
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		<title>Leihstimmen muss man sich verdienen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 21:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Volt]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach der ersten Wahlanalyse zu Sachsen-Anhalt lohnt der Blick auf die Mechanismen, die diesen Wahlausgang geprägt haben – und die nun die anstehenden Entscheidungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bestimmen. Bei Ostwahlen galt lange ein klares Gesetz der Wahlkabine: Sobald sich in den Umfragen ein AfD-Wahlsieg abzeichnete, sammelte sich das bürgerlich-demokratische Lager hinter jenem Kandidaten, der rechnerisch noch die besten Chancen hatte, Platz eins zu verteidigen. So geschah es mit Michael Kretschmer in Sachsen, so funktionierte es mit Dietmar Woidke in [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Nach der ersten Wahlanalyse zu Sachsen-Anhalt lohnt der Blick auf die Mechanismen, die diesen Wahlausgang geprägt haben – und die nun die anstehenden Entscheidungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bestimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Ostwahlen galt lange ein klares Gesetz der Wahlkabine: Sobald sich in den Umfragen ein AfD-Wahlsieg abzeichnete, sammelte sich das bürgerlich-demokratische Lager hinter jenem Kandidaten, der rechnerisch noch die besten Chancen hatte, Platz eins zu verteidigen. So geschah es mit Michael Kretschmer in Sachsen, so funktionierte es mit Dietmar Woidke in Brandenburg. Beide wurden, wie Nachwahlbefragungen belegen, nicht wegen überragender persönlicher Beliebtheitswerte oder glänzender Regierungsprogramme gewählt. Der Wählerauftrag war schlichte Notwehr: eine AfD-Regierung mit allen Mitteln zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass dieser Reflex in Sachsen-Anhalt ins Leere lief, hat zwei denkbare Gründe. Die bequeme Ausrede lautet, die Wähler hätten der CDU schlicht nicht mehr zugetraut, die AfD noch abzufangen. Doch das ist politischer Unfug. In Mecklenburg-Vorpommern erholte sich die SPD binnen eines Jahres von 19 auf 32 Prozent – Wählerströme drehen sich im Angesicht einer Richtungsentscheidung binnen Wochen, wenn das Angebot stimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der wahre Grund wiegt ungleich schwerer: Das Wahlvolk traute der Magdeburger Union schlicht nicht mehr zu, eine glaubwürdige, stabile Koalition gegen die AfD anzuführen<sup></sup>. Und dieses Vertrauen haben einzelne Christdemokraten systematisch selbst eingerissen<sup></sup>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da war Fraktionschef Guido Heuer, der auf offener Bühne mit AfD-Frontmann Ulrich Siegmund kumpelte und sich nach anfänglichen Ausreden über eine angebliche „konfrontative Situation“ erst nach dem Auftauchen des Videobeweises zur Wahrheit bequemen konnte. Dass sich Spitzenkandidat Sven Schulze bei der Fraktionsvorsitzendenwahl nach dem Debakel nur hauchdünn mit acht zu sieben Stimmen gegen ebenjenen Heuer durchsetzte, sprach Bände über die innere Zerrissenheit der Truppe<sup></sup>. Da war der altmärkische CDU-Ortsbürgermeister, der der AfD ganz ungeniert 10.000 Euro spendete und ihr per Brandbrief den Weg zur absoluten Mehrheit ebnen wollte<sup></sup>. Und da war Vize-Chef Sepp Müller, der mit seinem kategorischen Veto gegen jedes noch so pragmatische Arrangement mit den Linken die letzte verbliebene rechnerische Machtoption eigenhändig vom Tisch fegte<sup></sup>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offene Kumpanei mit der Partei, die man angeblich verhindern will, garniert mit dem Ausschluss der einzig verbliebenen Mehrheitsoption: Wer die eigene Brandmauer derart fahrlässig sprengt, verliert jede Berechtigung, von den Bürgern rettende Leihstimmen einzufordern<sup></sup>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass klare Kante und personelle Zuspitzung funktionieren, beweist die Ostseeküste. In Mecklenburg-Vorpommern hat Manuela Schwesig für den Schlussspurt ein Manöver gewählt, über das man in Berliner Parteizentralen zwar die Nase rümpft, das aber das Wesen der Zuspitzung exakt trifft: „Die Frau gegen Blau“. Schwesig bricht das Duell transparent auf die Kernfrage herunter. Wer Leif-Erik Holm in der Schweriner Staatskanzlei verhindern will, muss das sozialdemokratische Original wählen. Schwesig bettelt nicht verschämt um Stimmenverleih – sie holt sich das Mandat mit breiter Brust.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Ich bitte um die Stimmen von allen, die verhindern wollen, dass die AfD die Macht übernimmt. Ich bin eure Frau gegen Blau! <a href="https://t.co/8TMQrlsGic">pic.twitter.com/8TMQrlsGic</a></p>&mdash; Manuela Schwesig (@ManuelaSchwesig) <a href="https://x.com/ManuelaSchwesig/status/2096950853437387173?ref_src=twsrc%5Etfw">September 7, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
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<p class="wp-block-paragraph">Umso grotesker wirkt das Schauspiel, das Die Linke derweil in Berlin bietet. Während Spitzenkandidatin Elif Eralp versucht, ihre in Umfragen führende Partei als verlässliche Kraft für das Rote Rathaus zu präsentieren, schießen ihr die <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/dpa-berliner-linke-streitet-uber-regierungsbeteiligung-16031393.html">Aktivisten aus Neukölln</a> genüsslich in die Knie. Dort hat die radikalisierte Basis offensichtlich keinerlei Interesse an Regierungskompromissen. Wie weit sich Teile des Verbandes von jeder Realpolitik entfernt haben, zeigt der Fall Anjo: Einst nach Antisemitismus-Vorwürfen bei Volt ausgeschieden, sitzt er nun im Palästinensertuch auf Podien und formuliert als Bedingung für eine linke Regierungsbeteiligung allen Ernstes einen „<a href="https://www.instagram.com/p/DcySwdnMSLL/">Staat in Trümmern</a>“. Wer derart offen den Zusammenbruch der Institutionen herbeifantasiert, will gar nicht gestalten – er will Fundamentalopposition im moralischen Elfenbeinturm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nachlese des Magdeburger Wahltags. Dort erklären sich Grüne und SPD inzwischen bereit, Sahra Wagenknechts Modell eines parteiübergreifenden Ministerpräsidenten mitzutragen – ohne überhaupt zu wissen, wer diese ominöse Figur sein soll. Man unterschreibt den Blankoscheck der Getriebenen, nur um irgendwie an der Errichtung eines Schutzwalls beteiligt zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau dieses Panikmuster treibt inzwischen Friedrich Merz auf Bundesebene um. Nach seiner desaströsen Wahleinordnung </p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Hat <a href="https://x.com/hashtag/Merz?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Merz</a> nicht gesagt, oder? <a href="https://t.co/B56Ua8vMGg">pic.twitter.com/B56Ua8vMGg</a></p>&mdash; Mathias Eberlein (@tkdmatze) <a href="https://x.com/tkdmatze/status/2097320876068708378?ref_src=twsrc%5Etfw">September 8, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
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<p class="wp-block-paragraph">schwenkte der Kanzler im Bundestag auf maximale Schadensbegrenzung um und definierte „Remigration“ kurzerhand als ein anderes Wort für ethnische Säuberung – die denkbar härteste Lesart im politischen Umlauf. Es ist der fast schon verzweifelte Versuch zu beweisen, dass auch die Union noch Antifa kann, um das abdriftende bürgerliche Lager wieder einzufangen. Doch ob ihm das nach dem sachsen-anhaltischen Totalschaden noch jemand abkauft, ist mehr als fraglich. Vertrauen und Leihstimmen lassen sich nicht verordnen – man muss sie sich durch eigene Verlässlichkeit erarbeiten.</p>
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		<title>Erwartungen nicht erfüllt – Gedanken zur Wahl in Sachsen-Anhalt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2026 11:46:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wäre dieser Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt ein Amazon-Paket gewesen – der Retoure wäre schon längst unterwegs. Das Gelieferte hat schlicht die Erwartungen nicht erfüllt. Weder gab es den Befreiungsschlag der Mitte, noch ist der Landtag berechenbarer geworden. Was die Wähler ausgepackt haben, ist ein Totalschaden mit Ansage, der Erwartungen an stabile Landespolitik gründlich enttäuscht. Das fängt bei der großen Illusion des taktischen Wählens an. Wochenlang hatten Kampagnenmacher den Bürgern erklärt, das Heil liege im strategischen Kreuzchen. Doch der Blick auf das [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Wäre dieser Wahlsonntag in Sachsen-Anhalt ein Amazon-Paket gewesen – der Retoure wäre schon längst unterwegs. Das Gelieferte hat schlicht die Erwartungen nicht erfüllt. Weder gab es den Befreiungsschlag der Mitte, noch ist der Landtag berechenbarer geworden. Was die Wähler ausgepackt haben, ist ein Totalschaden mit Ansage, der Erwartungen an stabile Landespolitik gründlich enttäuscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das fängt bei der großen Illusion des taktischen Wählens an. Wochenlang hatten Kampagnenmacher den Bürgern erklärt, das Heil liege im strategischen Kreuzchen. Doch der Blick auf das reale Resultat offenbart das Problem: Das demokratische Spektrum nicht gestärkt. Stattdessen wanderten die Stimmen lediglich im eigenen Spektrum hin und her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders drastisch zeigte sich dieses Nullsummenspiel bei den Erst- und Zweitstimmen in den Hochburgen Halle und Magdeburg. Auf dem Land gingen die Direktmandate chancenlos an die AfD verloren. In den Metropolen wiederum betrieb das eigene Lager künstlichen Zweitstimmen-Kannibalismus. Man rettete mit Notoperationen zwar wackelnde Anteile für SPD und Grüne, zerrieb dabei jedoch die FDP und stürzte die regierende CDU in den freien Fall. Aus Notwehr gewählt, ohne Überzeugung gestimmt und dann auch noch nicht den erhofften Effekt gehabt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso zertrümmert wurde die alte feel good story von der schweigenden Mehrheit. Jahrelang galt die bequeme Gewissheit, eine hohe Wahlbeteiligung sei das beste Gegengift gegen den Populismus. Würde man die Nichtwähler erst an die Urnen locken, schlüge die Stunde der Vernünftigen. Sachsen-Anhalt hat dieses Märchen bei fast 78 Prozent Beteiligung beerdigt. Die schweigende Reserve war nicht heimlich gemäßigt – sie war wütend. Ihr gewaltiger Zuwachs landete direkt auf dem Konto der AfD. Um genau zu sein 170.000 ehemalige Nichtwähler entschieden sich für die AfD, nicht mal 100.000 teilen sich alle übrigen Parteien auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann ist da noch das Bündnis Sahra Wagenknecht, das diesen Abend vollends zur Farce macht. Nach den internen Grabenkämpfen zwischen Berlin und Erfurt und dem offensichtlichen Verlust jeder Geschlossenheit hätte das BSW abgestraft werden müssen. Doch die Formation rettete über die Hürde. Die Zwickmühle: Die AfD mit ihren 39 Sitzen und das verbliebene bürgerlich-gemäßigte Lager mit ebenfalls 39 Mandaten stehen sich in einem Patt gegenüber. Keines der beiden Lager besitzt aus eigener Kraft eine Mehrheit. Genau deshalb führt an den fünf BSW-Abgeordneten kein Weg mehr vorbei. Eine zerrissene Neugründung bestimmt nun über Wohl und Wehe eines ganzen Bundeslandes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis dieses Wahlabends: Eine Wahl ist eben kein Paket. Man kann das Ergebnis nicht einfach wieder zukleben, frankieren und dem Boten an der Haustür mitgeben, nur weil der Inhalt nicht gefällt. Was in die Urne geworfen wurde, steht nun unverrückbar im Raum – sperrig, ungemütlich und ohne Widerrufsrecht. Das Land muss damit leben. Genau deshalb zwingt diese Wahl dazu, sich den harten Lehren zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste und schmerzhafteste Lehre betrifft das Scheitern der reinen Verhinderungslogik. Wer Wahlkämpfe als Rettungsaktion inszeniert und Stimmen zu Schutzwällen degradiert, entwertet das eigene demokratische Bekenntnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daran schließt sich die zweite Lehre über die vermeintlich moderate Reserve an. Ein hoher Urnengang schützt nicht automatisch vor Fliehkräften. Wer Unzufriedene mobilisiert, ohne überzeugende Antworten zu liefern, erntet keinen bürgerlichen Rückhalt, sondern Verweigerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich offenbart die neue Macht der fünf BSW-Mandate das Dilemma einer erstarrten Koalitionsmechanik. Lähmende Zweckehen mit immer mehr und politisch weiter entfernten Partnern sichern kurzfristig den Status Quo, bieten aber keine Perspektiven.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Sachsen-Anhalt gilt nun die harte Realität: Das Paket ist geöffnet, der Inhalt liegt zutage und der Landtag muss zeigen, wie es weitergeht.</p>
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		<title>Von hier an blind</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 14:56:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Volt]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor zwei Jahren klang der Tonfall noch trotzig, fast unerschrocken: Damals ging es darum, „mehr Bautzen zu wagen“, und im Hintergrund lief die alte Hymne von Silbermond, die „Zeit für Optimisten“ beschwor. Doch wer heute mit den Menschen vor Ort spricht oder den Blick über die ostdeutschen Marktplätze schweifen lässt, spürt, wie gründlich dieser Optimismus aufgerieben wurde. An seine Stelle ist ein ganz anderes Gefühl getreten, das Judith Holofernes und Wir sind Helden vor Jahren in einer einzigen, schmerzhaft präzisen [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Vor zwei Jahren klang der Tonfall noch trotzig, fast unerschrocken: Damals ging es darum, „mehr Bautzen zu wagen“, und im Hintergrund lief die alte Hymne von Silbermond, die „Zeit für Optimisten“ beschwor. Doch wer heute mit den Menschen vor Ort spricht oder den Blick über die ostdeutschen Marktplätze schweifen lässt, spürt, wie gründlich dieser Optimismus aufgerieben wurde. An seine Stelle ist ein ganz anderes Gefühl getreten, das Judith Holofernes und Wir sind Helden vor Jahren in einer einzigen, schmerzhaft präzisen Zeile eingefangen haben: „Ich weiß nicht weiter. Ich weiß nicht, wo wir sind. Von hier an blind.“ Genau vor diesem Abgrund steht der Bürger in der Wahlkabine, mit dem Bleistift in der Hand und einem Bienenschwarm im Magen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Tragödie dieses Wahlsommers liegt nicht allein in den nackten Zahlen der Demoskopen, sondern in der Zerstörung einer Grundüberzeugung: dass eine Wahl ein Moment der Gestaltung und der eigenen Haltung sein sollte. Stattdessen verkommt das Bürgerrecht zu einem reinen Abwehrreflex. Es wird nicht mehr gewählt, um ein Gesellschaftsbild nach vorn zu bringen, sondern nur noch, um das gefühlte Verderben abzuwenden. Man wählt aus Notwehr, man wählt das geringere Übel, man wählt mit zugehaltener Nase. Doch wer nur wählt, um zu verhindern, gibt den eigenen politischen Kompass am Eingang des Wahllokals ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vollends absurd wird dieses Kammerspiel durch das eiserne Gesetz der Fünf-Prozent-Hürde. Einst als Schutzmechanismus der Bundesrepublik gegen die Zersplitterung der Weimarer Republik ersonnen, wirkt die Sperrklausel in einer zutiefst fragmentierten Parteienlandschaft heute wie eine Erpressung. Denn die Wahlmathematik bestraft das reine Bekenntnis: Wer einer kleinen Reformkraft wie Volt oder den Freien Wählern seine Stimme gibt, riskiert, dass diese am Wahlabend verfällt und über das Verteilungsverfahren am Ende ausgerechnet den politischen Rändern nützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau in diese offene Wunde stoßen Kampagnen wie „Taktisch Wählen“ oder die millionenschweren Postwurfsendungen von Campact. Sie hämmern den Bürgern ein, die eigene Überzeugung gefälligst hintanzustellen und stattdessen wackelnde Altparteien wie SPD oder Grüne künstlich über die Hürde zu hieven – nicht aus Liebe zu deren Inhalten, sondern als reiner arithmetischer Schutzwall. Es ist ein fatales Signal an die Wählerschaft: Deine inhaltliche Idee ist wertlos, es zählt nur noch das Rechenmodell für den Koalitionsrechner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ergebnis ist eine parlamentarische Statik, die niemanden mehr glücklich macht. Aus der Urne steigen fragile Zweckbündnisse, die sich vom ersten Tag an gegenseitig misstrauen und nur durch die Angst vor Neuwahlen zusammengehalten werden. Wer das Richtige tun will, wird vom System in eine Zwickmühle gezwungen, aus der es ohne grundlegende Wahlrechtsreformen – etwa durch eine Absenkung der Sperrklausel oder eine Ersatzstimme – kein Entkommen gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So bleibt am Ende die bittere Zerrissenheit vor dem Stimmzettel. Man setzt sein Kreuz, faltet das Papier zusammen und weiß im Grunde, dass dieser Akt kein Aufbruch mehr ist, sondern der bange Versuch, den Totalschaden zu verhindern. Die Helden hatten damals recht: Man weiß nicht weiter, man weiß nicht mehr, wo wir sind – und geht von hier an blind.</p>
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		<title>Drei unter Druck</title>
		<link>https://www.tkdmatze.de/2026/08/30/drei-unter-druck/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 20:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei den anstehenden Landtagswahlen steht die Union in den Ländern vor drei völlig unterschiedlichen Zerreißproben. An der Elbe, an der Ostseeküste und im Berliner Abgeordnetenhaus treten drei Spitzenmänner mit gegensätzlichen Startbedingungen und strategischen Botschaften an: ein Nachfolger im Abwehrkampf um Stabilität, ein Oppositionsführer im Law-and-Order-Angriff und ein Nothelfer auf der Suche nach nüchterner Vernunft. Sie alle müssen beweisen, wie viel eigene Gestaltungskraft in der Union noch steckt, wenn die parlamentarische Arithmetik zerbricht und die eigene Stammwählerschaft zusehends die Orientierung verliert. [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Bei den anstehenden Landtagswahlen steht die Union in den Ländern vor drei völlig unterschiedlichen Zerreißproben. An der Elbe, an der Ostseeküste und im Berliner Abgeordnetenhaus treten drei Spitzenmänner mit gegensätzlichen Startbedingungen und strategischen Botschaften an: ein Nachfolger im Abwehrkampf um Stabilität, ein Oppositionsführer im Law-and-Order-Angriff und ein Nothelfer auf der Suche nach nüchterner Vernunft. Sie alle müssen beweisen, wie viel eigene Gestaltungskraft in der Union noch steckt, wenn die parlamentarische Arithmetik zerbricht und die eigene Stammwählerschaft zusehends die Orientierung verliert<sup></sup>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Sachsen-Anhalt kämpft Sven Schulze um das politische Erbe von Reiner Haseloff. Schulze hat die schwierige Aufgabe übernommen, den Landesvater-Bonus in die eigene Amtszeit zu retten. Seine Kernbotschaft: „Stabilität durch Sachpolitik – das Bollwerk der Verlässlichkeit“. Schulze inszeniert die Union als einzige Kraft, die Industrieansiedlungen sichert, Großprojekte stemmt und das Land vor dem Stillstand bewahrt. Doch genau an dieser Erzählung reibt sich eine verunsicherte Stammwählerschaft. Die bürgerliche Basis versteht die Welt nicht mehr: Jahrelang wählte man Schwarz, um Verlässlichkeit zu garantieren – nun muss die CDU paradoxerweise um das parlamentarische Überleben von SPD und Grünen bangen, um ein Viererbündnis überhaupt noch rechnerisch möglich zu machen. Viele treue Unionsanhänger empfinden diese faktische Zweitstimmen-Hilfe für die politische Konkurrenz als Zumutung. Und dann bleibt das Tabu einer Koalition mit der Linken. Für das traditionell antikommunistisch geprägte Stammklientel der Ost-CDU wäre ein Pakt mit den Linken nach dem Unvereinbarkeitsbeschluss und den Attacken des Linken-Vorsitzenden Partisano ein unverzeihlicher Dammbruch. Die Angst vor Verwässerung sitzt tief – befeuert durch kommunale Funktionäre, die der Parteiführung mit offenen Brandbriefen und AfD-Spenden die Gefolgschaft verweigern. Schulzes Werben für Verlässlichkeit wird so zum Ritt auf der Rasierklinge, bei dem jedes Rütteln am Unvereinbarkeitsbeschluss die eigenen Kernwähler weiter verstört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz anders stellt sich die Lage in Mecklenburg-Vorpommern für Daniel Peters dar. Der Rostocker CDU-Landes- und Fraktionschef geht aus der harten Oppositionsrolle heraus in das Rennen um die Schweriner Staatskanzlei. Gemeinsam mit seinem Generalsekretär Philipp Amthor formuliert Peters eine kompromisslose Botschaft: „Law and Order statt rot-roter Filz – das echte konservative Original“. Er attackiert Manuela Schwesigs Koalition unerbittlich bei den Altlasten der umstrittenen Klimastiftung und will beweisen, dass es für Härte im Rechtsstaat keine Ausweichbewegungen braucht. Doch auch an der Ostseeküste ist die traditionelle Anhängerschaft gespalten. Den konservativen Stammwählern im ländlichen Flächenland wurde über Jahre vermittelt, dass die Union für die staatstragende Mitte stehe. Nun erleben sie eine Partei, die aus Panik vor dem Absturz in die Einstelligkeit den langjährigen Gewerkschaftsfunktionär Rainer Wendt in ihr Expertenteam holt, um das Sicherheitsversprechen mit einer bundesweit bekannten Reizfigur zu untermauern. Während dieser Schritt die Law-and-Order-Sehnsucht des harten Parteikerns bedient und das Abwandern an die AfD oder an Neugründungen wie Frauke Petrys „Team Freiheit“ stoppen soll, schreckt er das gemäßigte, bürgerliche Milieu in den Küstenstädten ab. Diese Wähler fürchten, dass die Union im Werben um Rechtsaußen-Stimmen ihre Koalitionsfähigkeit mit der SPD verspielt und am Ende alte Personaldebakel wiederbelebt. Peters riskiert mit dieser Zuspitzung, die verunsicherte Basis vollends zwischen Protestsehnsucht und Machtpragmatismus zu zerreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Berlin wiederum gleicht der Wahlkampf von Stefan Evers einem politischen Rettungseinsatz unter Extrembedingungen. Nach dem spektakulären Rückzug von Kai Wegner mitten im Sommer musste der bisherige Finanzsenator kurzfristig als Spitzenkandidat und kommissarischer Landeschef einspringen. Die Botschaft von Evers an die von Dauerkrisen belastete Hauptstadt ist der Gegenentwurf zu Metropolen-Experimenten: „Nüchterne Vernunft und klare Grenzen – Sanierung statt Ideologie“. Statt lauter Showeffekte setzt Evers auf Haushaltsdisziplin, Verwaltungsreformen und den gezielten Neubau von Wohnungen als Gegenentwurf zur Enteignungsrhetorik einer erstarkten Linken um Elif Eralp. Doch in den Berliner Außenbezirken und bürgerlichen Hochburgen sitzt die Verunsicherung nach dem chaotischen Führungswechsel tief. Die Stammwähler, die Wegner einst für das Versprechen einer funktionierenden Stadt und eines harten Durchgreifens wählten, finden sich plötzlich in einer unübersichtlichen Lage wieder. Mitten in diese Gemengelage platzt der Streit um das Wahlforum im umstrittenen Moscheeverein der Neuköllner Begegnungsstätte. Während die Konkurrenz von SPD, Grünen, Linken und FDP der Einladung in den vom Verfassungsschutz beobachteten Verein folgte, verweigerte Evers die Teilnahme demonstrativ mit dem Satz, mit Islamisten diskutiere man nicht über Demokratie. Der Boykott sollte die eigene Klientel beruhigen und die Konkurrenz als naiv vorführen. Doch an der Basis fragen sich viele frustrierte Anhänger, warum dieselben fragwürdigen Strukturen im schwarz-roten Verwaltungsalltag überhaupt noch mit öffentlichen Geldern bedacht werden. In einer polarisierten Metropole bleibt Evers kaum Zeit, um die wankelmütige Stammwählerschaft einzufangen und aus dem Schatten seines Vorgängers zu treten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Wahlen, drei Kandidaten, drei Wege durch das politische Minenfeld. Ob Sven Schulze in Magdeburg die eigene Anhängerschaft zwischen Brandmauer-Schwüren und Koalitionsnot beruhigen muss<sup></sup>, Daniel Peters in Schwerin mit Rainer Wendt zwischen bürgerlicher Mäßigung und Law-and-Order-Polarisierung laviert oder Stefan Evers in Berlin gegen den Vertrauensverlust einer verstörten Großstadt-Basis ankämpft: Am Wahlabend wird sich zeigen, ob die CDU ihre verunsicherten Stammwähler noch binden kann – oder ob die Risse in den Ländern das Fundament der Bundespartei endgültig ins Wanken bringen<sup></sup>.</p>
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		<title>Süßes Gift aus Berlin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Aug 2026 19:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Klima]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern]]></category>
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					<description><![CDATA[Das vertraute Geräusch eines Regierungsapparats, der im Vorfeld existentieller Wahlen die Nerven verliert ist wieder da. Kaum anders kann man die plötzliche Liebelei von Kanzler Merz für das Thema Klimawandel verstehen. Nach einem Rekordsommer mit Bränden und Ernteausfällen ist das Thema sowieso omnipräsent. So präsent, dass selbst die Journalisten verwundert bei der Klimabewegung und ihrer politischen Vertretung Bündnis 90/Die Grünen nachfragen, warum sie denn so leise sind. Dabei waren sie die letzten Jahre in diversen Formen lautstark unterwegs, klärten auf [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Das vertraute Geräusch eines Regierungsapparats, der im Vorfeld existentieller Wahlen die Nerven verliert ist wieder da. Kaum anders kann man die plötzliche Liebelei von Kanzler Merz für das Thema Klimawandel verstehen. Nach einem Rekordsommer mit Bränden und Ernteausfällen ist das Thema sowieso omnipräsent. So präsent, dass selbst die Journalisten verwundert bei der Klimabewegung und ihrer politischen Vertretung Bündnis 90/Die Grünen nachfragen, warum sie denn so leise sind. Dabei waren sie die letzten Jahre in diversen Formen lautstark unterwegs, klärten auf und protestierten. Begleitet von einem paternalen Merz, der beschwichtigte: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>Es ist eben nicht so, dass morgen die Welt untergeht</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212; Friedrich Merz</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"> Für die geschundenen Grünen kann aber eben jenes bei den kommenden Wahlen passieren. Wie schon 2024 in Thüringen und Brandenburg, drohen die Grünen aus den Landtagen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu fliegen. Da würde eine Höherwertung des Themas Klimaschutz, dass bei den Wahlen für die Wähler kaum noch eine Rolle zu spielen scheint, das notwendige bisschen Rückenwind geben, ob doch noch die Fünfprozenthürde zu überspringen. Denn ohne die Grünen im Landtag in Sachsen-Anhalt dürfte die Amtszeit von Sven Schulze beendet sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So stellt sich die neue Realität der Union dar. Weit weg von der einstigen Stärke, als man maximal einen Koalitionspartner benötigte, wird jetzt eine Zweistimmenkampagne für die politischen Gegner gefahren, um doch noch die Chance zu haben, in einem Viererbündnis eine Mehrheit über die Ziellinie zu bringen. Ob das jedoch beim Wähler ankommt, wird sich zeigen. Versteht man den Vorstoß als neue Stufe des Realitätschecks oder der Wendehälsigkeit, bei einem Thema, das vor allem im Osten keinen mehr vor dem Ofen hervorlockt. Das muss auch Parteichef Felix Banazsak schmerzhaft erfahren. Bei seiner Wahlkampftour in Biergärten verirren sich nur wenige Besucher zu den Terminen. Manche, wie in Wernigerode, kommen auch nur, um ihm zu sagen, wie schlecht sie in finden. &nbsp;Es ist nicht leicht als Progressiver im Osten. Aber er geht auch da hin, wo es wehtut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass nahezu zeitgleich der Entwurf für eine Zuckersteuer pünktlich über die Bande der Hauptstadtpresse gespielt wurde, folgt der bewährten Dramaturgie des Berliner Regierungsviertels. Ein solches Durchstechen ist kein Zufall, sondern eine gezielte Operation: Entweder wollen die Initiatoren ihr Projekt unumkehrbar in den Raum stellen oder ein Koalitionspartner lanciert das Papier, um den empörten Aufschrei zu nutzen. Man kennt es noch aus der Ampelzeit mit dem so genannten Heizhammer. Dass es inhaltlich total dumm ist, darüber muss man nicht reden.<br>Eine Zuckersteuer auf Getränke ohne Zucker, deren Ertrag nicht bindend in die Gesundheitskassen fließt. Die letzte Demontage einer gut gemeinten Veränderung fand auch zur Ampelzeit statt. Eigentlich hat man in Deutschland eine Mehrheit für den Abbau klimaschädlicher Subventionen. Doch traf man mit der Landwirtschaft eine Zielgruppe, die das für ungerecht hielt und mit Ihren Traktoren Teile des Landes lahmlegt. Bis es zurückgenommen wurde. Ähnlich ist das mit der Zuckersteuer. Adipositas und Diabetes haben erschreckende Zuwachszahlen, vor allem bei Jugendlichen und Kindern. Eine forsa-Umfrage im Februar 2026 ergab eine Zustimmungsquote von 60%. Aber eben unter der Voraussetzung, dass diese nur auf zuckerhaltige Lebensmittel gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Feedback in der Bevölkerung war so schlecht, der Tweet</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="de" dir="ltr">Wenn Cola light besteuert wird, werd ich zum Wutbürger.</p>&mdash; Ricarda Lang (@Ricarda_Lang) <a href="https://x.com/Ricarda_Lang/status/2092226104031412305?ref_src=twsrc%5Etfw">August 25, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">fasst das Echo hervorragend zusammen. Eine Steuer auf den täglichen Einkauf ist bei all den Preissteigerungen der letzten Jahre dem Bürger nicht zuzumuten.<br><br>Da stellt sich natürlich die Frage auf: Cui bono – wem nutzt es? Schaden wird es den Regierungsparteien CDU &amp; SPD. Der Entwurf kam wohl aus dem SPD geführtem Finanzministerium, die Union hatte vor der Wahl keine neuen Steuern versprochen. Also der Opposition?<br>Und hier wird es wieder spannend, weil wir in Deutschland ja nicht nur eine Opposition haben. Der eine Teil, der manchmal der demokratische Teil der Opposition genannt wird, also Linke und Grüne, ist nun in der Falle, dass man auf Bundesebene da natürlich mit ordentlich Getöse draufhauen muss, nur um auf Landesebene dann mit den Regierungsparteien ein Bündnis zu schließen, im Konjunktiv gesprochen. Bleibt also die AfD.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch welches Interesse hätte man in der Regierung, die AfD vor den Wahlen noch zu stärken?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da fielen mir gleich zwei Gründe ein. Und beide haben etwas mit einem Unvereinbarkeitsbeschluss zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die CDU hat einen solchen Beschluss zu den Linken. Für den Fall, dass es also nur dann zu einer Unionsmehrheit kommt, wenn die Linke mit an Board ist, existiert wohl noch kein konkreter Plan. Natürlich ließe sich das alles mit Verantwortung für das Land verargumentieren, eine Wunschkoalition wäre es nicht – eher im Gegenteil. Die Regierung ist aktuell sehr unbeliebt. Viele der vollmundigen Versprechungen von Friedrich Merz wurden noch nicht eingelöst. Der Dammbruch nach links könnte die aktuelle Unbeliebtheit auf noch viel höhere Ebenen hieven, vor allem auch parteiintern. Und so kann das Durchstechen als Versuch gewertet werden, ebenjenes Szenario zu verhindern, notfalls durch die Stärkung der AfD.<br><br>Zur AfD gilt der andere Unvereinbarkeitsbeschluss. Die Brandmauer ist das zentrale Thema in diesem Wahlsommer. Symbolisch zerbrochen durch einen CDU-Ortsbürgermeister der, begleitet von einer 10.000 Euro-Spende und einem Brandbrief, offen die AfD unterstützt. Die Stimmen, dass mit der Öffnung nach rechts mehr „CDU pur“ möglich wäre, waren trotz der Merz’schen Beschwörung der Brandmauer nie verstummt. Zeitgleich bewegen sich die Umfragewerte der Regierungsparteien stetig nach unten, während die Umfragewerte der AfD steigen. So weit, dass nicht mehr wie 2024 über die Sperrminorität von einem Drittel gesprochen wird, sondern von einer Mehrheit. Davor, dass die AfD unter gewissen Umständen in der Lage wäre, Sachsen-Anhalt alleine zu regieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich ein Horrorszenario. Für andere ein Herzenswunsch. Wohl auch für den Durchstecker.</p>
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		<title>Das Ampel-Trauma: Drei Parteien auf der Suche nach dem Boden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mathias Eberlein]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 20:11:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Volt]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit der Bundestagswahl, die das Ende des selbsternannten Fortschrittsbündnisses besiegelte, suchen die ehemaligen Koalitionsparteien ihren Kurs. Anstatt sich in der Opposition oder in neuen Rollen in Ruhe zu sammeln, stehen SPD, Grüne und FDP nun vor dem nächsten Härtetest. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigt sich, wie viel Substanz von den drei ehemaligen Regierungspartnern im Osten und in der Hauptstadt überhaupt noch übrig ist – oder ob der freie Fall unvermindert weitergeht. Am dramatischsten stellt sich die Lage [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Seit der Bundestagswahl, die das Ende des selbsternannten Fortschrittsbündnisses besiegelte, suchen die ehemaligen Koalitionsparteien ihren Kurs. Anstatt sich in der Opposition oder in neuen Rollen in Ruhe zu sammeln, stehen SPD, Grüne und FDP nun vor dem nächsten Härtetest. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigt sich, wie viel Substanz von den drei ehemaligen Regierungspartnern im Osten und in der Hauptstadt überhaupt noch übrig ist – oder ob der freie Fall unvermindert weitergeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am dramatischsten stellt sich die Lage für die Freien Demokraten dar, für die die drei Urnengänge zur existenziellen Überlebensfrage werden. In Sachsen-Anhalt setzt die FDP ganz auf Lydia Hüskens, stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Infrastruktur und Digitales. Die erfahrene Liberale, die ihre Partei 2021 zurück ins Magdeburger Parlament und in die Landesregierung führte, versucht mit Verlässlichkeit und konkreten Projekten gegen den Bundestrend anzukämpfen. Doch ihr Dilemma ist offensichtlich: Selbst solide Regierungsarbeit vor Ort bietet wenig Schutz, wenn die Bundesmarke am Boden liegt. In Mecklenburg-Vorpommern hat die Landespartei den Usedomer Hochschullehrer Jakob Schirmer aufgestellt, der mit dem Anspruch antritt, rationale Vernunft gegen Populismus zu setzen und den schlanken Staat einzufordern. Schirmer trifft im Nordosten jedoch auf ein zersplittertes bürgerliches Lager, in dem Protestwähler längst von anderen Formationen wie Frauke Petrys Projekt umworben werden, was den Sprung über die Sperrklausel zu einem extremen Himmelfahrtskommando macht. In Berlin wiederum droht den Freidemokraten die vollständige Unsichtbarkeit: Ohne parlamentarische Hebel im Abgeordnetenhaus kämpfen die Hauptstadt-Liberalen darum, im Chor der polarisierten Metropole überhaupt noch wahrgenommen zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Sozialdemokraten wird dieser Wahl-Dreiklang zur Zerreißprobe zwischen Festungsverteidigung und dem Kampf um politische Relevanz. In Mecklenburg-Vorpommern steht Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Mittelpunkt des Geschehens. Sie regiert an der Ostseeküste aus einer Position relativer Stärke, doch ihre politische Biografie bleibt eng mit den Nachwehen der umstrittenen Russland- und Klimastiftungspolitik sowie dem Verblassen des Kanzlerpartei-Bonus verknüpft. Schwesigs persönliche Herausforderung besteht darin, trotz sinkender Zustimmungswerte für die Bundespartei&nbsp;das Bild der unangefochtenen Landesmutter aufrechtzuerhalten, während eine Fortsetzung des rot-roten Bündnisses rechnerisch wackelt. In Sachsen-Anhalt hingegen führt Wissenschafts- und Umweltminister Armin Willingmann die Genossen an. Der frühere Hochschulrektor gilt als profilierter Realo und verlässlicher Fachpolitiker, doch seine Tragik ist struktureller Natur: Trotz persönlicher Beliebtheit droht die Magdeburger SPD in der harten Polarisierung zerrieben zu werden, sodass Willingmanns Hauptaufgabe schlicht darin besteht, die Partei über die Fünf-Prozent-Hürde zu retten. In Berlin wiederum wagt die SPD ein personelles Rückhol-Experiment mit Steffen Krach. Der frühere Berliner Staatssekretär soll die nach dem Verlust des Roten Rathauses orientierungslose Landespartei neu aufstellen. In einem engen Mehrkampf muss Krach beweisen, ob er die Hauptstadt-SPD aus der ungemütlichen Rolle des Juniorpartners wieder zur führenden Kraft machen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Bündnis 90/Die Grünen tritt die riesige Kluft zwischen urbanem Kernmilieu und der Entfremdung im ostdeutschen Flächenland offen zutage. In Sachsen-Anhalt verkörpert Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz, gelernte Krankenschwester und erfahrene Landespolitikerin, die bodenständige, sozialpolitische Linie der ostdeutschen Grünen. Sie hat jahrelang für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit in einer Region gestritten, in der grüne Politik oft auf vehementen Gegenwind stößt. Ihr Wahlkampf gleicht einem Abwehrkampf gegen die Nachwirkungen der Berliner Bundespolitik, bei dem sich entscheidet, ob grüne Anliegen im Magdeburger Landtag überhaupt noch ein Mandat finden. An der Ostseeküste kämpfen die Grünen ebenfalls um den Verbleib im Landtag. Jenseits der studentisch geprägten Hochburgen in Rostock und Greifswald fällt es der Partei schwer, genügend Rückhalt zu mobilisieren, um den bitteren Gang in die außerparlamentarische Opposition abzuwenden. Ganz anders gelagert ist das Dilemma in Berlin, wo Fraktionschef Werner Graf die Grünen in den Wahlkampf führt. Der pragmatische Parteimanager versucht, sowohl die bürgerliche Mitte als auch das linke Metropolen-Milieu anzusprechen. Grafs Problem liegt dabei im intensiven Wettbewerb auf der linken Seite des Spektrums: Während er das Rote Rathaus ins Visier nimmt, muss er sich gegen eine kampagnenstarke Linkspartei und die CDU behaupten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau in dieses ostdeutsche Zitterszenario von SPD und Grünen schaltet sich nun eine Debatte ein, die den Wahlkampf an der Elbe zusätzlich anheizt: die Initiativen zum taktischen Wählen. Getrieben von der Sorge vor einer Sperrminorität oder gar einer absoluten Mehrheit der AfD rufen Kampagnen wie „Taktisch Wählen“ und die Bürgerbewegung Campact die Wähler gezielt dazu auf, ihre Zweitstimme strategisch der SPD oder den Grünen zu geben, um beide über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven. Was von den Initiatoren als mathematischer Schutzwall für ein stabiles Parlament dargestellt wird, sorgt vor Ort für erhebliche Verwerfungen. Konkurrenten wie die FDP&nbsp;und&nbsp;das BSW und die Linke laufen Sturm gegen diese Wahlempfehlungen und kritisieren sie als bevormundende Einmischung, die den demokratischen Wettbewerb verzerrt und das Wählervotum auf ein reines Verhindern reduziert. Sogar junge Kräfte wie Volt geraten in diesen Sog und beklagen die Abwertung von Überzeugungsstimmen. Für Willingmann und Sziborra-Seidlitz ist dieser Beistand von außen ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bringt die Zuspitzung dringend benötigte Leihstimmen, andererseits offenbart sie schonungslos die eigene Schwäche, wenn das parlamentarische Überleben nicht mehr aus eigener Programmkraft, sondern über strategische Aktionen gesichert werden muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An den Wahlabenden wird der Wähler&nbsp;den ehemaligen Partnern die Quittung dafür ausstellen, wie viel Vertrauen im Dauerkrisenmodus verspielt wurde.&nbsp;</p>
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